… des Softwarehauses hinaus: Als Geschäftsführung macht man sich Gedanken über Auslastung, Pricing, Akquise, Shoring, Geschäftsmodell, Zusammenarbeit in hybriden Teams und Organisationsentwicklung. Business as usual. OpenAI hat Anfang April eine Diskussion gestartet, die das bigger picture vor Augen führt.
Sie thematisieren den sich verändernden Gesellschaftsvertrag durch KI: Das Dokument zieht Parallelen zum New Deal und der Notwendigkeit, den Gesellschaftsvertrag für das KI-Zeitalter zu modernisieren. OpenAI macht hier einen Sprung in die Zukunft, und geht davon aus, dass eine Superintelligenz entwickelt wurde. Angesichts dessen stellen sich Fragen anderer Qualität: Wie kann man die Teilhabe erweitern, den Zugang zu Möglichkeiten vergrößern und sicherstellen, dass die Gesellschaft über die Schutzmaßnahmen und Institutionen verfügt, die zur Risikobewältigung erforderlich sind? Marktkräfte hält der KI-Konzern für nicht ausreichend, um diese Fragen gesellschaftsgerecht zu regeln, und die Antworten der Politik hält es bislang ebenfalls für unzureichend, „ehrgeizigere“ politische Ideen müssten für morgen entwickelt werden.
Das klingt nach gesellschaftlichem Wandel und großer Transformation, die man intuitiv mit der Zeit der Industrialisierung in den 1830er Jahren vergleicht, angetrieben durch die Erfindung der Dampfmaschine. 1785 wurde die erste englische Baumwollfabrik mit der rotierenden Watt’schen Dampfmaschine ausgestattet. Die sozialen Folgen des Manchester Kapitalismus waren verheerend und es dauerte Jahrzehnte, bis die Politik Antworten fand, zum Beispiel durch Bismarcks Sozialversicherungen in den 1880er Jahren. In der seitdem wesentlich ausdifferenzierteren und komplexeren Gesellschaft heute ist wirklich ein „neuer Ehrgeiz“ in der Politik vonnöten, um analoge Gesetzgebung auf den Weg zu bringen.
Heute geht es dem Whitecollar an den Kragen
OpenAI nennt für das Zeitalter einer existierenden Superintelligenz drei gesellschaftliche Herausforderungen:
- Wie kann sichergestellt werden, dass den meisten Menschen Handlungsmacht und Zugang zu KI-gesteuerten Möglichkeiten möglich ist, so dass KI letztendlich nicht nur von wenigen kontrolliert wird und nur ihnen nützt?
- Wie können Risiken minimiert werden, da davon auszugehen ist, dass sich wirtschaftliche Verwerfungen über Missbrauch in Bereichen wie Cybersicherheit und Biologie bis hin zum Verlust der Ausrichtung oder Kontrolle über zunehmend leistungsfähigere Systeme ergeben werden?
- Wie muss sichergestellt werden, dass Menschen überall KI auf eine Weise nutzen können, die ihnen echten Einfluss am Arbeitsplatz, auf Märkten und in demokratischen Prozessen gibt?
Es ist in der Zeit einer Superintelligenz nötig, den Gesellschaftsvertrag neu zu denken, zwischen Kapital und Arbeit zu vermitteln. Denn Risiken sind absehbar: „(…)dass Arbeitsplätze und ganze Branchen gestört werden; dass böswillige Akteure die Technologie missbrauchen; dass fehlausgerichtete Systeme sich der menschlichen Kontrolle entziehen; dass Regierungen oder Institutionen KI auf eine Weise einsetzen, die demokratische Werte untergräbt; und dass Macht und Reichtum stärker konzentriert statt breiter geteilt werden.“ Die Aufrechterhaltung von Pluralismus wird zum Imperativ, ebenso eine verfassungsmäßige Kontrolle (Checks and Balances).
Das sind die großen Fragen, die uns beschäftigen werden. Angesichts eines solchen Papiers von einem der Entwickler der Superintelligenz selbst, OpenAI, ist es bei weitem nicht mehr ausreichend, sich über die Fähigkeiten von NanoBanana2 zu freuen oder sich zu fragen, wie man diese oder jene KI für die Automatisierung von Workflows nutzen kann.
Selbstverständlich kann man dieses Papier als raffinierte Marketingstrategie eines KI-Konzerns abtun. Die darin gestellten Fragen bleiben (unbeantwortet).
Weiterführend:
OpenAI: Industrial Policy for the Intelligence Age: Ideas to Keep People First, April 2026
Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft
Die Denkfabrik treibt den menschenzentrierten und verantwortungsvollen KI-Einsatz in diesen drei Bereichen voran:
https://www.denkfabrik-bmas.de/schwerpunkte/kuenstliche-intelligenz
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung – WZB:
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) untersucht grundlegende gesellschaftliche Fragen. Erforscht werden Entwicklungstendenzen, Anpassungsprobleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften. Die Forschung ist theoriegeleitet, praxisbezogen, oft langfristig angelegt und meist international vergleichend.
Ich habe Google Gemini nach diesen weiterführenden deutschen Quellen gefragt und wie üblich, schließt „es“ mit einer weiterführenden Frage ab:
„Glaubst du, dass unser deutsches Modell der Sozialpartnerschaft (also die enge Einbindung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden) stark genug ist, um diesen Wandel zu steuern, oder brauchen wir dafür völlig neue Institutionen?“
Wieviel Ironie seitens einer Maschine verträgt ein Mensch?